ORL-Erkrankungen mit Tinnitus

Otosklerose

Die Otosklerose ist eine Erkrankung des Mittelohrs und gelegentlich auch des Innenohrs, wobei es zur Fixierung des kleinsten Gehörknöchelchens (Steigbügel) und damit zu einer Bewegungseinschränkung kommt. Die Otosklerose führt zu einer fortschreitenden Schalleitungsschwerhörigkeit und ist oft mit Tinnitus vergesellschaftet. Es besteht die Möglichkeit einer operativen Therapie (Stapedotomie und Interposition).

 

Hörsturz

Beim Hörsturz handelt es sich um eine plötzlich eintretende, meist einseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit oder Taubheit. Als Ursachen kommen Durchblutungsstörungen, eine Virusinfektion, ein Tumor im inneren Gehörgang/Kleinhirnbrückenwinkel oder Autoimmunerkrankungen in Frage. Oft ist der Hörsturz mit Tinnitus, seltener mit Schwindel vergesellschaftet. Eine Therapie mit Steroiden sollte innert 24-48 Stunden erfolgen. Eine Spontanheilung kommt oft vor. Besonders bei rezidivierenden Hörstürzen sollte eine retrocochleäre Ursache durch einen Ohrenarzt ausgeschlossen werden.

 

Morbus Menière

Die Menièrsche Krankheit tritt typischerweise anfallsweise mit der Trias Drehschwindel, einseitige Hörverminderung und Tinnitus auf und dauert in der Grössenordnung wenige Stunden. Als Ursache wird ein Überdruck im Innenohr (endolymphatischer Hydrops) angegeben, wobei es zum Einreissen feiner Membranen und zur Durchmischung von Endo- und Perilymphe kommt. Medikamentös wird mit Betahistin behandelt. Gelegentlich helfen Paukenröhrchen und in ultima ratio muss die chirurgische Ausschaltung des Innenohrs vorgeschlagen werden. Längerfristig endet die Krankheit in der Regel in einem „ausgebrannten Menière“: Bleibender Tinnitus mit bleibender Innenohrschwerhörigkeit aber fehlendem Schwindel.

 

Innenohrschwerhörigkeit

Eine Innenohrschwerhörigkeit kann angeboren oder erworben (Knall, Lärm, Medikamente etc.) sein und mit Tinnitus einhergehen. Sind die höherfrequenten Töne betroffen spricht man im Alter von Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis). Ursache ist ein Schaden der entsprechenden Haarzellen im Innenohr. Typischerweise „hört“ der Innenohrschwerhörige, „versteht“ aber schlecht, dies besonders bei Umgebungsgeräuschen. Bei entsprechendem Leidensdruck können Hörgeräte angepasst werden. Dadurch wird in der Regel auch die Tinnituswahrnehmung herabgesetzt.

 

Hyperakusis

Es handelt sich um eine quantitative Überemfindlichkeit auf akustische Reize: Selbst normal laute Töne, Geräusche oder Gespräche werden als zu laut oder gar schmerzhaft empfunden. Es kann zu vegetativen Reaktionen mit Angst, Herzjagen und Schweissausbruch kommen. Die Hyperakusis ist oft mit Tinnitus verbunden, der sich bei Schalleinwirkung verstärkt („prolongierender Effekt bei Lärm“). Die Hyperakusis ist die „kleine Schwester“ des Tinnitus: Wiederum handelt es sich um eine Störung der Hörverarbeitung im Gehirn, bei der analog dem Tinnitus die Störschallunterdrückung nicht nur bei Phantomgeräuschen, sondern generell fehlt oder zu schwach ist. Die Therapie muss im Rahmen der Tinnitus-Retraining-Therapie erfolgen.